Stellungnahme zur Netztrennung

Diese Stellungnahme haben wir auf die erfolgte Nachfrage am 20.09.2016 gegenüber Taeglich.me abgegeben:

Wir haben in unserer Fraktion intensiv über pro und contra einer Netztrennung diskutiert, um zu einer Entscheidung zu kommen und uns entschlossen gegen eine Netztrennung zu stimmen. Das aber nicht, ohne uns konkret mit Lösungswegen zu befassen, die es ermöglichen den Schadstoffgrenzwert im Luftreinhalteplan dennoch zu erreichen.

Was gegen die Netztrennung spricht:

Wenn bei einer Netztrennung, die dann nicht nur den Umbauzeitraum beträfe, sondern dauerhaft wäre, erneut Umsatzeinbrüche bei den Ankermietern auftreten, werden sie den Standort verlassen. Nach derzeitigem Kenntnisstand wären das REWE, Penny, dm würde möglicher Weise folgen und Bäcker Schüren hat in der Vergangenheit auch bereits angekündigt, dass er den Standort verlassen würde.

Wir nehmen das sehr ernst, weil damit ca. 70 Arbeitsplätze in der Innenstadt verloren gehen würden.  Die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt würden sinken, was nicht dazu passt, dass wir im kommenden Jahr den Haushaltsausgleich schaffen müssen, um den Nothaushalt zu verhindern.

Auch die fußläufig mit einem Marktbesuch verbundenen Einkaufsmöglichkeiten, die vor allem für weniger mobile Senioren wichtig sind, würden wegfallen. Immerhin ist ein Viertel der Mettmanner Bevölkerung älter als 65 Jahre.

Wie von der IHK bereits ausgeführt, ist es sehr unwahrscheinlich in Zukunft andere Lebensmittelhändler / Discounter für diesen Standort zu gewinnen. Die Größe der Ladenlokale wird eine Vermietung für andere Geschäftsmöglichkeiten erschweren. Im schlimmsten Fall wird das zu weiteren Schließungen rund um den Jubiläumsplatz führen und zu weiterem Wegfall von Arbeitsplätzen.

Welchen Zweck könnte der Jubiläumsplatz künftig erfüllen, um attraktiv zu werden?

Wir müssen uns auch die Frage stellen, wieviel Plätze mit Verweil-/Aufenthaltsqualität kann eine Stadt mit nicht einmal 40.000 Einwohnern füllen? Wir haben den Königshof, der durch seine Verkehrsberuhigung bei Eltern beliebt ist und der sich für Feste auch für den Verkehr sperren lässt. Wir haben den Markt mit seiner Außengastronomie und einer schönen Atmosphäre für Veranstaltungen und Feste. Und wir haben inzwischen in der Freiheitsstraße nahe der Schäfchengruppe einen ganz neuen kleinen Platz, der sich nach der Umgestaltung der Innenstadt großer Beliebtheit erfreut und möglicher Weise im kommenden Jahr durch neue Restaurants noch erweitern wird. Auch hier können Kinder ohne Gefahr spielen, während die Eltern Kaffee trinken oder etwas essen.

Mit 500 Bussen täglich wird der Jubiläumsplatz damit nicht konkurrieren können. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind aufgrund der Tiefgarage und der Kreissparkasse eingeschränkt. Bäume in der Mitte des Platzes undenkbar. Was also soll und kann den Jubi anziehend machen? Vor allem der Markt und gute naheliegende Einkaufsmöglichkeiten. Im Rahmen der Zukunftswerkstatt für den Jubiläumsplatz hat ein Bürger die Idee eingebracht ein Glasdach zu installieren, wie die Markthalle am Bavierplatz in Erkrath. Das wäre auch aus unserer Sicht ein vielversprechender Ansatz, weil es den Wochenmarkt und andere Märkte auch bei Schlechtwetterlagen attraktiv macht. Der hintere Bereich mit Treppen zur Mühlenstraße könnte mit Spielmöglichkeiten für Kinder aufgewertet werden.

Wie man aus unserer Sicht sowohl eine Verkehrsberuhigung, also auch die Einhaltung der Grenzwerte für den Luftreinhalteplan erreicht:

Wir haben in letzter Zeit viel zu oft gehört, warum etwas nicht geht und das die Netztrennung, um es mit den Worten der Kanzlerin zu sagen, alternativlos ist. Die Ziele, die der Luftreinehalteplan vorgibt, seien so nicht zu erreichen. Aber das stimmt nicht wirklich.

Im Zusammenhang mit dem Luftreinhalteplan wurden Maßnahmen festgelegt, mit denen die Einhaltung der Grenzwerte erreicht werden soll. Diese Maßnahmen sind nicht in Stein gemeißelt, wenn man das Endergebnis mit alternativen Maßnahmen erreichen kann.

Der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich mit Tempo 20 ist eine der möglichen Maßnahmen. Kombiniert mit der Verbannung des Schwerlastverkehrs aus der Innenstadt (ausgenommen notwendige Lieferverkehre) und einer Anlieger frei Regelung mit Zufahrt zu den Parkhäusern wäre eine weitere. Die Verengung der Fahrbahn, sodass gerade zwei Busse aneinander vorbeifahren können und Haltestellen direkt an der Straße ohne Bucht für die Busse würde den nachfolgenden Verkehr zum Warten zwingen, bis der Bus weiter fährt.

Wir sind der festen Überzeugung, dass dem Durchgangsverkehr der Spaß an einer Fahrt durch die Innenstadt vergehen würde und die Maßnahmen zu einer deutlichen Reduzierung führen würde.

Darüber hinaus gibt es noch ein sehr innovatives Konzept die Luftqualität deutlich zu verbessern. Photokatalytisch wirksame Betonoberflächen und Pflastersteine können die Schadstoffbelastung um 25 % reduzieren und sind unserer Recherche nach nicht wesentlich teurer, als die herkömmlichen Alternativen. Die Wirkbestandteile gibt es auch in Putz und Wandfarben oder gar in Dachziegeln. Rein theoretisch könnte man also im Randbereich die Belastung prozentual noch weiter senken, aber das läge nicht direkt in städtischer Hand. Die Wahl der Straßenbeläge und Pflasterung aber sehr wohl.

Und wenn man dann in der Kreissparkasse für den Vorschlag die Fassade mit „hängenden Gärten“ zu begrünen noch auf Gegenliebe träfe, könnte der Jubiläumsplatz dennoch grüner und bunter werden und das Mikroklima würde sich verbessern. 🙂

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.